Tausende Schaulustige verfolgten gestern Nachmittag den großen Karnevalsumzug in Heiligenstadt. Mit 36 Bildern und mehr als 500 Mitwirkenden zeigten die Eichsfelder, dass Schnee und Eis keine Hürde sein müssen, um solch ein Spektakel auf die Beine zu stellen. Die Landeshauptstadt Erfurt hatte ihren Umzug am Freitag wegen der winterlichen Straßenverhältnisse abgesagt. In Heiligenstadt ließ man sich nicht abschrecken und vertraute fest darauf, dass die befreundeten Vereine aus den umliegenden Orten mit ihren Aktiven und den Festwagen anreisen werden. Und so bot sich den tausenden Zuschauern am Straßenrand wieder ein besonderes Spektakel, als sich der bunte Zug gestern punkt 14 Uhr in der Göttinger Straße in Bewegung setzte.
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Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisteten, arbeiteten die Ordnungskräfte Hand in Hand. Der städtische Bauhof schob am Sonntagmorgen eine Sonderschicht, räumte die Straßen der Innenstadt noch einmal von Schnee und Eis. Was das Ordnungsamt besonders freute: Nur ein Auto stand auf der Umzugsstrecke im Parkverbot, konnte aber noch rechtzeitig weggefahren werden. So war der Weg frei für die Fußgruppen, Festwagen und Spielmannszüge, die auch den zwölften Karnevalsumzug in der Eichsfelder Kreisstadt wieder zu einem Erlebnis für die Schaulustigen werden ließen.
Hauptorganisator Wolfgang Wagner begrüßte Mitwirkende aus Heiligenstadt, Geisleden, Uder, Bischhagen, Rengelrode, Heuthen und Kalteneber. Sie alle haben sich mit ihren Wagen tapfer bis ins Heilbad durchgekämpft. Die Spielmannszüge kamen aus Mühlhausen, Witzenhausen und Großbodungen und sorgten unterwegs für den richtigen Takt. Die Gardetänzerinnen hatten sich einen Pulli mehr unter die Jacke gezogen und trotzten mit doppelten Strumpfhosen und Stulpen den Minusgraden.
Das Moulin Rouge unter dem Motto "Yes we can can" oder der Udersche Ballermannwagen ließen gleich ganz vergessen, dass eigentlich Winter ist. Mit Konfetti und Bonbon- Regen wurde die Stimmung noch weiter angeheizt. Das Vitalpark-Team brachte sich gleich ihre "Orientalische Mitternachtssauna" mit. Und das Raphaelsheim hatte sogar ein Bett mit warmer Decke auf dem Wagen.
Die "Atzen" vom Beat-Bahnhof holten sich mit Sicherheit keine Frostbeulen, die fetten Lautsprecherboxen brachten sie in Schwingung. Keine Spur von unterkühlter Stimmung ebenso auf dem Wagen des Heiligenstädter Stadtrates: "Alle Räder rollen, wenn alle Räte wollen" war ihr Slogan. Und die Volksvertreter kamen gestern gut gemeinsam voran. Auch Kindergärten, Schulen und Heimatvereine schickten Sonntag ihre karnevalistischen Gesandten.
"Im Himmel ist die Hölle los" prangte am Geisleder Wagen. Das Fegefeuer hielt die Mitfahrenden sicherlich warm.
Ein Kommentator unterhielt die Zuschauer in der Wilhelmstraße, kündigte die Wagen an und wurde nicht müde, zum Nachfeiern in die Stadthalle einzuladen.
Fotos: T. Jähnel, G. Hüther (4), G. Hüther (6); Text: TA (hü) vom 14.02.10