Heiligenstaat (TT). Die stürmischen Wogen der Lebensfreude und Ausgelassenheit, die in der Karnevalszeit auch auf dem Eichsfeld von Jahr zu Jahr höher schlagen, sind nun wieder verebbt. Das närrische Fastnachtstreiben hat in den Städten und Dörfern des Eichsfeldes eine nie geahnte Heimstätte gefunden. Der Mummenschanz eroberte sich das kleinste Dorf. Besonders groß kamen in diesem Jahre Worbis, Großbartloff und Wilbich heraus. Langsam bildet sich auch hier, wie schon in vielen anderen Orten unserer eichsfeldischen Heimat, eine Tradition.
   Den Rosenmontagszug in Heiligenstadt ersetzte in diesem Jahr der feierliche Prinzenaufmarsch und die Proklamation vor dem Rathaus mit Schlüsselübergabe. Schon am Vormittag sah man in den belebten Straßen neben den begeisterten und bunt angezogenen Kindern Karnevalsgestalten in Kostüm und Maske. Der Stadtfunk sandte lustige Karnevalslieder, und in der HO bedienten die schmucken Verkäuferinnen bunt- bemützt in guter Laune. Die Stimmung war ausgezeichnet und erreichte ihren Höhepunkt, als kurz nach 13 Uhr der Zug mit der Prinzengarde und dem Elferrat, mitten unter ihnen das Prinzenpaar in der mit roten Rosen ausgeschmückten Galakutsche, an der Spitze das Kreiskulturorchester vom "Eichsfelder Hof" durch die Windische Gasse, Schöllbach und Karl- Marx-Straße zum Rathaus zog. Vorher hatten hier schon die Oberschüler mit ihrer Blaskapelle und ihren Schunkelliedern die mehrere tausend zählenden Zuschauer in fröhlichen Schwung gebracht. Nur einer fehlte diesmal im Festzug, das Symbol des Heiligenstädter Karnevals, der "Möhrenkönig". Im nächsten Jahr wird er wieder mit dabei sein.
   In In launigen Worten begrüßte Oberhofmarschall Dörner für den verhinderten Präsidenten die Heiligenstädter Närrinnen und Narren, und Bürgermeister Jünemann, in schwarzem Anzug, Zylinder, weißen Handschuhen und Amtskette, entbot den Gruß der Stadt dem edlen Prinzenpaar, Seiner Tollität Prinz Paul I. und Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Inge II. Mit den Worten "Gemeinsam haben wir im letzten Jahr große Erfolge erarbeitet, gemeinsam wollen wir uns auch freuen", übergab er den überdimensionalen Stadtschlüssel an den Prinzen und damit zugleich das närrische Regiment für die drei tollen Tage.
   Prinz Prinz Paul I. wandte sich in seiner
Proklamation an die Heiligenstädter Narren und Närrinnen und verkündete ihnen das Rezept der Schönheit und der ewigen Jugend: Freude und Lachen! Er gab bekannt, daß der Festzug an dem Nichtwollen einiger verantwortlicher Menschen in der Leitung unserer Betriebe gescheitert sei. Die geplanten Festwagen brauchten sie zur Beerdigung ihrer guten Laune! Nachdem der Hofmarschall die Gesetze der Narrenfreiheit bekanntgegeben und das Kabinett des närrischen Ministeriums vorgestellt hatte, wandte sich Prinzessin Inge II. huldvoll in gebundener Rede an ihr Volk, dem sie eine milde Herrschaft versprach. Zwischendurch hatte das Kreiskulturorchester Schunkellieder gespielt, bei denen alle mitmachten und sich einreihten in die große Schar des närrischen Volkes.
   Die Die Kostümbälle am Abend in der Oberschule und in sämtlichen Räumen des "Eichsfelder Hof" waren überfüllt, trotzdem herrschte, wie nicht anders zu erwarten, eine Bombenstimmung. Das Prinzenpaar erhielt bei seinem Erscheinen tosenden Beifall, auch Bürgermeister Jünemann besuchte die Veranstaltung in der Oberschule, und getanzt wurde bis in die frühen Morgenstunden.