Heiligenstadt (tt). Der eisige Wind und das leichte Schneetreiben, das mit Beginn des feierlichen Zeremoniells der Schlüsselübergabe vor dem Rathaus durch Bürgermeister Jünemann an Se. Tollität Prinz Theo I. einsetzte, konnten nicht das bunte Treiben und die karnevalistische Ausgelassenheit der Tausenden und Abertausenden von Närrinnen und Narren dämpfen, die aus Stadt und Land in den Straßen Heiligenstadts zusammengekommen waren, um den Rosenmontagszug zu sehen und selbst in die Narrenfreude einzutauchen. Viele von ihnen waren schon am Vormittag "eingetaucht" und führten nun ihre fröhliche Ausgelassenheit spazieren. Die Betriebe hatten ihre Pforten geschlossen, die Geschäfte schlossen sich ihnen an. Auch in den Verwaltungen hatte man die Bleistifte fortgelegt und die Schreibmaschinen zugedeckt. Alles drängte sich in die Stadt, wo an den Zentren des Verkehrs zeitweise "drückende" Enge herrschte. Kinder in lustigen Kostümen, aber auch "Fortgeschrittene" in der Faschingsfeierkunst maskiert und buntbemützt ließen auch bisher noch nicht so warm gewordene an ihrer Freude teilnehmen. Pünktlich um 14 Uhr näherte sich durch die Ratsgasse in feierlichem Aufzug der Hofstaat des Prinzen und der Prinzessin, die von Herolden, Prinzengarde, Ministern und selbstverständlich vom "Möhrenkönig" begleitet, zum Rathaus marschierten, um dort vom Bürgermeister die Gewalt für die Herrschaft in den drei tollen Tagen durch den Stadtschlüssel übertragen zu erhalten. S. Tollität Prinz Theo wandte sich in einer launigen Proklamation an sein Volk und ließ dann, nachdem der Ministerpräsident Josef vom Sande die Minister einzeln vorgestellt hatte, die ulkigen Gesetze verkünden, nach denen sich das närrische Treiben in diesen Tagen abspielt. Prinzessin Margret erhielt durch den Bürgermeister einen großen Strauß roter Rosen. Präsident Bode überreichte dann noch dem Bürgermeister für das Stadtarchiv eine Chronik, in der die Anfänge des Heiligenstädter Karnevals, die vielen Schwierigkeiten und Schikanen beim Entstehen dieses Festes in Wort und Bild von Maria Kramann festgehalten sind. Der große Rosenmontagszug hielt das, was er versprach. Bewundert wurden die Prunkwagen des Prinzen und der Prinzessin (eine Gondel aus weißen und roten Rosen), natürlich auch der Möhrenkönig mit seiner Riesenmöhre, die lustige Altweibermühle der Mewa, das ruhige Bett des Kraftverkehrs, "Onkel Jojo und Vase Kathrin", die Politik der Stärke, das Heiligenstädter Stadttor mit der be- rühmten Mohre als Torverschluß, die Schulklasse der Oberschule, der Bürokratius, und auch der von Ponys gezogene Wagen des Prinzenpaares des Kinderheims am Iberg. Ihr Fanfarenzug mit den bunten Uniformen, ihr maskiertes Fußvolk trug viel zur Farbenfreudigkeit des ganzen Zuges bei. Beinahe hätten wir den Festwagen der HO vergessen. Er war einer der schönsten. Die Mondgöttin lächelte unter dem gigantischen Halbmond in edler Würde. Prinzengarde, die Musikkapelle des Kreiskulturorchesters, Herolde und alles Drum und Dran, wie man es von einem Rosenmontagszug gewöhnt ist, waren selbstverständlich vorhanden. Vom Prinzenwagen schoß eine Kanone große Mengen Bonbons unter das Volk. Es war eine Demonstration der Lebensfreude! Nach dem Rosenmontagszug fuhr das Prinzenpaar, begleitet von dem Hofstaat in den "Eichsfelder Hof", wo dann das närrische Treiben ebenso wie am Abend in der Aula der Oberschule die höchsten Wogen schlug. Auch in den Heiligenstädter Gaststätten war Hochbetrieb. An so ein fröhliches Karnevalsleben gewöhnt man sich schnell, zumal wenn man von den von Sr. Tollität erlassenen Narrengesetzen ausgiebig Gebrauch macht.
|